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Geschichte des Weinbaus

816 wird Castell erstmals urkundlich erwähnt, in der Stiftungsurkunde der Abtei Münsterschwarzach. Hierbei ist von Weinbergen bei Scheinfeld die Rede. Es ist die Zeit des Großen Karl und Frankenreich steht in voller Blüte.

Die nächste schriftliche Kunde vom Weinbau stammt aus der Zeit der späten Kreuzzüge:

  • 5. Kreuzzug war 1229 gerade zu Ende.
  • Die Inquisition wird (1231) eingeführt.
  • Die großen Kathedralen der Gotik werden gebaut.
  • 1227 stirbt Dschingis-Khan.
  • Die Hanse beherrscht den Handel.
  • 1234 belehnt Rupprecht III. die Abtei Ebrach mit Weinbergen.

Weinberge in Castell finden ihre erste Erwähnung in der Teilungsurkunde von 1258. Die Grafen Hermann und Heinrich von Castell teilen die Weinberge auf. Erwähnt werden Heinhart (Hohnart), Wein am Grubere (Grübert), heute Schloßberg, Weinberge am Trucbergh (Trautberg) und am Geruterberg (Greuther Berg). Lagennamen, die sich bis heute erhalten haben.

  • Der 30jährige Krieg ist 1648 zu Ende gegangen. Deutschland hat 2/3 seiner Einwohner verloren.
  • Es ist die Zeit des Barock.
  • Balthasar Neumann baut in Franken, die Schönborns sind Fürstbischöfe.
  • Vivaldi komponiert, Bach und Händel werden geboren.
  • Zeit Ludwig des XIV., Versailles wird gebaut.
  • Die Preußen kommen - mit Friedrich Wilhelm I., dem gr. Kurfürst.
  • 1683 die Türken vor Wien.


Der Silvaner kommt
Die erste urkundliche Erwähnung des Östreichers, wie der Silvaner auch synonym genannt wird:

1659 brachte ein Casteller Bote die "Östreicher Fechser von Eisenheim" nach Castell, wo sie am Kirchberg gepflanzt wurden.

Die Abtei Ebrach unter Abt Alberich Degen sorgte für eine rasche Verbreitung des Silvaners, u. a. Pflanzung am "Würzburger Stein" 1665.

Die Einführung des Silvaners bedeutete einen Fortschritt in Richtung Qualitätsweinbau. Im Mittelalter war Wein ein wichtiges Produkt, um Steuern zu zahlen, bzw. Löhne zu begleichen.


Weinqualität im Mittelalter
Man unterschied zwischen Qualitätsweinen, den Fränziweinen oder Frankenwein, welcher im Mischsatz von Qualitätssorten gewonnen wurde und im Gegensatz dazu den Hunnenwein, welcher von Massenträgern, wie Hammelhoden (Trollinger)und Elbling gewonnen wurde. Für die Entrichtung von Zehntwein durfte nur Fränziwein geliefert werden.

Üblich war zu jener Zeit Rebsorten im Mischsatz zu pflanzen, um Witterungsschwankungen durch die unterschiedlichen Eigenschaften verschiedener Sorten aufzufangen. Zum gemischten Satz gehörten Riesling, Traminer, Muskateller, Gutedel, Elbling und später der Silvaner.
Für Rotwein wurden im Mischsatz Trollinger, Spätburgunder, Frühburgunder und schwarzer Urban gebaut.
Traminer zählt zu den ältesten Rebsorten und dürfte bereits seit dem 5. Jhd. bekannt sein. Als erste Sorten in Castell sind 1565 aufgeführt: Traminer, Rotwein und Muskateller.


Bannwein
Um 1590: Graf Johann verschmäht es nicht, gelegentlich mit den Bauern im Wirtshaus zu sitzen. War Kirchweih in Castell, dann legte er Bannwein, d. h. es durfte nur gräflicher Wein verkauft werden, in anderen Häusern durfte kein Wein verzapft werden. Setzten nun trotzdem Unterthanen ihren Gästen Eigenbau vor, ging Graf Johann selbst in deren Keller, drehte die Zapfen ab und ließ den Wein zu Boden rinnen.
Das Recht des Bannweines bestand bis zum 8. Juni 1604.


Trinkfeste Casteller
Dazu passt folgende Geschichte vom 25.2.1599. Zum Nachtessen war der Pfarrer auf dem Schloss. Als man zu Bette ging, wurden dem Herrn Pfarrer "auf sein Begehr zum Schlaftrungk 2 Casteller Maß Rotwein gereicht", also ungefähr 2 ½ Liter. Hingegen heißt es etwas später: Als die Frau Gräfin den Pfarrer, dessen Frau und des Sekräters Frau zu Gast hat, heißt es, dass man nur drei Maß (knapp 4 Liter) alten Herrnweines getrunken habe.

An anderer Stelle heißt es:" Haben gemeinlich bei Tisch eine Maß, auch unter Tag und am Abend. Wein tranken die zwei jungen Herrn über ein Mahl fast alleweg ½ Maß." Und Herr Konrad war damals 16, Herr Friedrich etwa 13 Jahre alt. Aber man lebte in einer trinkfreudigen Zeit, und Graf Wolfgang, der Vater, der selbst am Zipper litt, erhob keinen Einwand dagegen.

  • Zeit Napoleons.
  • Die USA sind 20 Jahre alt.
  • Goethe und Schiller dichten in Deutschland.
  • Humboldt bereist die Welt.
  • Erste Kolonialreiche werden errichtet.

Instruktion und Pflichten eines herrschaftlichen Kalterknechtes von 1797:
Auszugsweise:

  • Die Kalter und das Geschirr vor der Lese gründlich zu reinigen
  • Feuer und Licht wohl in Obacht zu nehmen, dass hierdurch kein Unglück geschehe
  • Keine Sauf und Spiel Gesellschaften im Keller
  • Die Mostbutten so sichern, dass keine umfallen kann
  • Beim Mosttragen fürsichtig zu gehen, damit nichts verschüttet werde


Und schließlich: Bei dem Kaltern selbst größte Reinlichkeit zu beobachten und zu dem Ende sich nie mit bloßen Fingern, sondern mit einem Schnupftuch zu schneuzen.


Casteller Rotwein
Das es sich beim Rausch nicht um eine Krankheit, sondern sicherlich um eine Art Heilschlaf handelt, können wir aus jüngeren Anforderungen von Rotwein ableiten.
Am 16. Juni 1875 fragte das Bezirksamt Schweinfurt in Castell an, ob nicht aus dem Schloßkeller Rotwein abgegeben werden könne. Im nicht wohlhabenden Ort Stettbach waren von 282 Einwohnern einige 40 Personen an Thypus schwer erkrankt, und sollten nach ärztlicher Anweisung Rotwein trinken, der zu Lasten der Armenpflege ging.
Das Bezirksamt führte an, dass der Rotwein vom Würzburger Bürgerspital zu teuer sei, obgleich er gut sei. Der kgl. Hofkeller zu Würzburg gäbe nur Rotwein in Flaschen ab, was noch teurer sei. Nachdem Casteller Rotwein vom Jahrgang 1874, obwohl er erst einmal abgelassen worden war, für geeignet und für gut befunden wurde, wurde sofort unter Express an den praktischen Arzt Dr. Groß in Werneck ein Fass mit 75 l zum billigen Preis von je 45 Pfennigen abgesandt.


Nach dem 2. Weltkrieg
Aus "Der Volkswille - Heimatblatt" 11.12.1950 Castell
Für den schwer ringenden deutschen Weinbau kann heute nur dies entscheidend sein: der Qualitätsgedanke! Manche Winzerkreise, die noch immer in Richtung des bloßen Mengenzieles planen und experimentieren, befinden sich im Irrtum, der sich für ihre Weinwirtschaft, also für sie selbst nachteilig auswirken muss.

Während allgemein über hohe Säuregehalte und geringe Öchslegrade geklagt wird, hat man in Castell Grund zur freudigen Genugtuung: Der Most brachte sensationelle Mostöchsle, bis zu 157,1 °. Damit überbot das Casteller Ergebnis das bisher günstigste Ergebnis vom Julius Echter Berg von 151,2° Es handelt sich dabei um amtlich beglaubigte Grade.

Allein das Casteller Keupergebiet zeigt sich für eine Kultivierung des Weines bis zum beinahe höchsten Grade hinauf sehr empfänglich; es läßt sich da, wie man sieht, bei fachmännischer Behandlung ein tiefgründiger, feinster Spitzenwein herauswirtschaften.
In Casteller Kellern reift heuer ein Wein aus, der verwöhntesten Ansprüchen gerecht wird. Mit der Zunge möchte man schnalzen, hört man nur davon - das wird ein Wein sein, der, fachmännisch gesprochen Fett, Schmalz besitzt, ein dicksaftiger, likörgleicher Tropfen, süß und schwerflüssig wie Honigseim, dem Laien wie dem Kenner, der Gaumen und Zunge damit netzt, ein wahrhaft paradiesischer Genuss.

 

Flurbereinigung und Rebflächenvergrößerung
1955/56 wurde in Castell eine der ersten Flurbereinigungen von Rebflächen in Franken durchgeführt. Die Steillagen wurden einheitlich auf eine mechanisierbare Gassenbreite von 1,50 m gebracht, Neuanlagen an ebeneren Weinbergen wurden fortschrittlich mit 2,40 m Gassenbreite angelegt, um sie mit den in der Landwirtschaft vorhandenen Traktoren bearbeiten zu können. Diese hatten für die damalige Zeit die unglaubliche Leistung von 34 Pferdestärken. Gepflanzt wurden vor allem Silvaner und Müller-Thurgau. 

Der Fränkische Weinbau erlebte in der Folgezeit (1971 bis 1990) einen beispiellosen Aufschwung. Bei einer Verdopplung der Erträge, ermöglicht durch rationelles Arbeiten und  Fortschritt in der Rebzüchtung wurden gleichzeitig auch die Rebanbauflächen auf das Doppelte erweitert. In Castell wurden die Gewanne Kugelspiel, Tränktröge, Finstertal und hinterer Bausch mit Reben bestockt. Dem damaligen Amtmann des fürstlichen Domänenamtes, Adolf Steinmann ("die eiseren Hand" genannt - wegen eines kriegsbedingten Fehlens der rechten Hand und natürlich wegen seines rigiden Wesens), ist hier sehr viel zu verdanken. Die Einwohner Castells erhielten die Möglichkeit, eigene Weinberge in einem größeren Flächenanteil zu bewirtschaften. Die Vermarktung wurde durch die Gründung der "Erzeugergemeinschaft Steigerwald e. V." (heute: Erzeugergemeinschaft Castell e. V.) 1973 über das Fürstlich Castell'sche Domänenamt sichergestellt.

Heute werden in Castell rund 80 Hektar Reben angebaut.

Die Hauptsorten sind:
Silvaner, Müller-Thurgau, Bacchus, Riesling, Rieslaner - beim Rotwein: Domina, Blauer Spätburgunder

Weinlagen:
Castell: Schlossberg, Reitsteig, Kirchberg, Hohnart, Trautberg, Kugelspiel, Bausch, Feuerbach
Greuth: Bastel

zuletzt geändert: 04.05.2015

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